Vision Board: In 4 elementaren Phasen erstellen

Ein Vision Board ist quasi wie die Zieleingabe bei Google Maps, nur für das eigene Leben

Immer mehr Menschen möchten ein persönliches Vision Board erstellen. Doch auch vielen hängt vielleicht noch dieser Spruch von Helmut Schmidt „Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen.“ im Ohr und halten so ein Vision Board für unnötigen SchnickSchnack. 

Dabei ist meiner Meinung nach das Gegenteil der Fall. Nehmen wir das Beispiel Deutschland. Wenn die Bundesregierung eine echte Vision für unser Land und auch für die Welt hätte und damit auch die Menschen begeistern würde (und nicht nur von Bundestagswahl zu Bundestagswahl denkt), wären wir in vielen Themen viel weiter, innovativer und vereinter. Ich könnte noch zig weitere Beispiele aufzählen. 

Ich persönlich finde eine Vision zu haben und daraus sein Leben zu steuern, total wertvoll. Ich selbst bin stolzer Besitzer eines Vision Boards und seit dem ich damit vor etwa vier Jahren angefangen habe, habe ich nach und nach gezieltere Entscheidungen getroffen.

Ein Vision Board ist eine visuelle Sammlung persönlicher Wünsche, Ziele und Lebensvorstellungen, das du dir idealerweise prominent in der eigenen Wohnung platzierst. Dadurch wirst du täglich an deine Vorstellungen erinnert, triffst selbst kleinste Entscheidungen bewusster und lenkst dein Leben auch unterbewusst in die gewünschte Richtung. Dennoch ist ein Vision Board kein Wunschzettel, sondern ist und bleibt so eine Art ToDo Liste fürs Leben. Handeln steht auch hierbei an oberster Stelle.

Somit ist ein Visionboard vergleichbar mit der Zieleingabe bei Google Maps – nur für das eigene Leben. Und wer möchte kann auch die Route am Meer entlang wählen. Definierte Ziele lassen sich jederzeit zwischendurch korrigieren, falls es sich irgendwo staut. Durch das prominente Aufhängen in der Wohnung biegst du zudem nicht so schnell falsch ab und durch kannst jeder Zeit neue Zwischenziele ergänzen.

Doch viele Menschen wissen aus dem Stehgreif nicht, welche Lebensziele sie haben und wohin sie eigentlich wollen. Vor allem in dieser privilegierten Welt, in der die meisten von uns leben, bietet das Leben viele Möglichkeiten. Das kann schnell überfordern. Viele haben zerstreute Ideen und Träume im Kopf und häufig hören sich viele selbst sagen „Später mal werde ich….“ oder „Wenn ich das habe, dann werde ich xy machen.“ Deshalb ist es so wichtig, bevor du das konkrete Visionboard erstellst, dich selbst tiefgreifend zu befragen, was genau möchtest du – und zwar möglichst losgelöst von gesellschaftlichen Idealen.

Die folgenden Phasen 1-3 helfen dir genau dabei. Viel Spaß dabei!

Phase 1 des Vision Boards: Versetze dich in dein 80-jähriges Ich

Klingt vielleicht erst etwas seltsam. Doch solche Übungen aus der Metaebene bzw. Vogelperspektive helfen enorm, Dinge distanzierter und mit einem anderen Blick zu betrachten.

Dazu schließe am besten deine Augen und versetze dich in dein 80-jähriges Ich. Vielleicht setzt du dich dazu in einen Sessel oder nimmst Platz auf einer Parkbank. Und dann stell Dir vor, genau heute ist dein 80. Geburtstag. Beantworte dir dazu folgende Fragen:

  • Wie stellst du dir überhaupt dein 80-jähriges Ich vor?
  • Wie möchtest du dich mit 80 Jahren fühlen?
  • Wo möchtest du mit 80 Jahren leben?
  • Und wie möchtest du mit 80 Jahren leben?
  • Was für ein Mensch mit welchen Eigenschaften möchtest du mit 75 Jahren sein?
  • Welche Werte gehören ganz klar zu dir?
  • Wo möchtest du deinen 80. Geburtstag feiern?
  • Wie soll es an dem Tag dort, wo du feierst, genau aussehen?
  • Welche Menschen sollen um dich herum sein?
  • Worauf möchtest du an deinem 80. Geburtstag zurückschauen?
  • Woran werden sich deine Mitmenschen erinnern?
  • Wer soll eine Rede halten?
  • Was soll in den Reden über dich gesagt werden?
  • Was und wie hast du bis zum 80. Geburtstag gelebt?
  • Was möchtest du erreicht/gestaltet/bewirkt haben?
  • Worauf wärst du richtig stolz, wenn du das gemacht hast?
  • Was würdest du total bereuen, wenn du es nicht gemacht hast?
  • Was wäre total unwichtig, was dir vielleicht aktuell Kopfzerbrechen bringt?

Lass deinen Ideen und Gedanken, die kommen, komplett freien Lauf. Versuche sie nicht direkt zu bewerten oder klein zu machen. Und notiere alles auf einem weißes Blatt Papier. Diese Übung hilft dir, dich deinen Meilensteinen für dein privates und berufliches Leben zu nähern.

Phase 2 des Vision Boards: Arbeite dein IKIGAI heraus

Im Schritt 2 geht es darum, sich seiner wertvollen Fähigkeiten mithilfe des IKIGAI-Modells bewusster zu werden. Die japanische Lebensphilosophie IKIGAI wurde auf der Insel Okinawa geprägt, auf der die ältesten Menschen der Welt leben. Der Begriff „IKIGAI“ bedeutet wörtlich übersetzt „Lebenswert“ und beschreibt den Grund, wofür wir morgens aufstehen. Warum stehen wir morgens auf? Weil der Wecker klingelt? Weil wir Geld verdienen müssen? Ich hoffe, es gibt bei dir noch eine andere Motivation, ansonsten lade ich dich herzlich ein, diese vier Phasen zum eigenen Vision Board umzusetzen.

Das IKIGAI ist die Schnittmenge von vier entscheidenden Hauptfähigkeiten deines Lebens und kann durch vier sich überlappende Kreise visualisiert werden.

Nimm dir auch hierzu am besten ein weißes Blatt, stelle dir folgende Fragen und notiere die Antworten entsprechend der Grafik rund um die Kreise:

Kreis 1 – Was du liebst (deine Leidenschaft)

  • Welche Aufgaben begeistern dich?
  • Was könntest ewig mache, ohne müde zu werden?
  • Wann bist du im sogenannten Flow State?

Kreis 2 – Worin du gut bist (deine Berufung)

  • Was kannst du richtig gut?
  • Was geht dir leicht von der Hand?
  • Zu welchen Themen/Tätigkeiten fragen dich andere um Rat oder Hilfe?

In etwas gut zu sein, heißt nicht immer diese Aufgaben auch zu lieben. Deshalb notiere hier alles, was du gut kannst, um dann später zu schauen, was überlappt sich mit den Antworten der anderen Kreise.

Kreis 3 – Was “die Welt” von dir braucht (deine Mission)

  • Welche deiner Stärken kann die Welt noch mehr gebrauchen?
  • Welche Werte lebst du oder möchtest du leben? 
  • Welches Problem möchtest du lösen?

Kreis 4 – Wofür du bezahlt wirst (dein Beruf)

  • Welche Tätigkeiten machen deinen Job aus?
  • Womit verdienst du dein Geld?
  • In welchem Bereichen deiner beruflichen Arbeit bist du richtig gut oder besser asl in anderen Bereichen? 
  • Welche beruflichen Tätigkeiten gehen dir leicht von der Hand?

Wenn du eine oder mehrere Tätigkeiten hast, die du in allen vier Kategorien immer wieder aufgezählt, dann hast du dein IKIGAI gefunden. 

Falls diese Phase anfänglich etwas zäh ist – das hängt davon ab, wie gut du dich kennst – dann empfehle ich dir die nächsten 5 oder gar 10 Tage jeden Abend als Reflexion des Tages die Fragen sukzessive zu beantworten und so Tag für Tag deinem sogenannten IKIGAI näher zu kommen.

Phase 3 des Vision Boards: Definiere konkrete berufliche und private Lebensziele mithilfe des Lebensrades

Phase 1 und Phase 2 helfen dir, dich selbst besser wahrzunehmen, dich besser kennenzulernen und dich an deine Fähigkeiten zu erinnern. Diese Basis ist wirklich elementar, um daraus konkrete Wünsche, echte persönliche Ziele und Lebensvorstellungen zu formulieren. Nutze für die Phase 3, dem konkreten Formulieren von Ziele, gern das folgende Lebensrad. 

Mithilfe des Lebensrades kannst du erstmal einen Status Quo mit „Wie zufrieden bin ich aktuell  in den jeweiligen Lebensbereichen?“  festlegen – am besten jeweils 0-10 Punkte vergeben. Dann merkst du schnell, wo du dringend was ändern möchtest.

Anschließend legst du für jeden Lebensbereich Wünsche, Ziele und Lebensvorstellungen. Nutze auch hier gern folgende Fragen zum Anregen: 

  • Auf was möchte dein 80-jähriges Ich zurückblicken?
  • Wie möchtest du in 3 Jahren, 10 Jahren und 30 Jahren sein?
  • Was möchtest du in 3 Jahren, 10 Jahren und 30 Jahren tun?
  • Wie möchtest du dich in 3 Jahren, 10 Jahren und 30 Jahren fühlen?
  • Welche Familienziele sind dir wichtig?
  • Welche Fähigkeiten möchtest du erlernen? Welche Hobbys möchtest mehr pflegen und ausbauen?
  • Hast du den richtigen Beruf?
  • Welchen (verantwortungsbewussten) Fußabdruck möchtest du auf dieser Erde beruflich und privat hinterlassen? 

Dabei gilt, sei mutig, denke ohne Beurteilungen und schreibe alles auf, was kommt. Und lass dich nicht von deinem inneren Kritiker bremsen.

Phase 4 des Vision Boards: Erstelle nun dein persönliches Vision Board

Ich bin mir sicher, jetzt hast du genug Ideen, Wünsche und Vorstellungen für die Erstellung deines Visionboards gesammelt. Jetzt geht es ans Visualisieren. 

Ein Vision Board ist eine individuelle Collage, die frei nach deinem Belieben erstellt wird. Es gibt also kein Richtig oder Falsch.

Besorge dir ein Plakat, eine Postervorlage, eine Korktafel, ein altes Brett oder etwas anderes. Du entscheidest, ob Hochformat oder Querformat dich besser unterstützt.

Schneide inspirierende Bilder aus Zeitschriften aus, die deine Wünsche bildlich treffen. Finde Bilder und Zitate als Lebensmotto im Internet, die sich ansprechen und deinem Bewusstsein und Unterbewusstsein helfen, deine Vorstellungen widerzuspiegeln. Mithilfe des Design-Tools Canva kannst du auch selbst Grafiken aus einer riesigen Sammlung zusammenstellen – auch wenn du Laie in Sachen Grafik bist.

Pinne oder klebe alle deine Bilder, Texte und/oder Zitate auf deine Vorlage. 

Und jetzt das Wichtigste: Stelle oder hänge dein Vision Board für dich persönlich prominent in der Wohnung auf. Das muss nicht über dem Sofa im Wohnzimmer sein, es sollte jedoch eine Stelle sein, wo du jeden Tag vorbeikommst (Innentür des Kleiderschranks, Nachtisch im Schlafzimmer, …). 

Viel Spass beim Entwickeln und Erstellen deines persönlichen Vision Boards.

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